Der Mittelstand stellt sich zwangsläufig die Frage, ob sich die Expansion nach Osteuropa lohnt. Kostenvorteile bei einer weiterhin strategisch günstigen Lage erscheinen reizvoll. Doch die Besetzung wichtiger Schlüsselpositionen erweist sich oft als schwieriger als gedacht, wie man bei der Personalberatung Remel ES feststellt.
Die Expansion nach Osteuropa kommt mit einigen Herausforderungen daher, die bewältigt werden müssen.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)
Osteuropa bietet mittelständischen Unternehmen aus Deutschland attraktive Kostenvorteile, sobald eine Expansion in Erwägung gezogen wird. Produktionsstätten in Osteuropa offerieren in den Augen der meisten Entscheider außerdem eine strategisch günstige Lage, die optimierte Lieferketten und den Zugang zu qualifizierten Fachkräften kombiniert. Gleichzeitig wächst die Kaufkraft in der Region, was die Expansion zusätzlich lohnenswert macht.
Doch wer glaubt, dass in Osteuropa Fachkräfte wie Sand am Meer zur Verfügung stehen, befindet sich laut den Erfahrungen der Personalberatung Remel Executive Search (Remel ES) auf dem Holzweg. Remel ES ist eine internationale Personalberatung, die sich auf die Direktansprache und Vermittlung von Fach- und Führungskräften spezialisiert hat. Gründer Roman Remel teilt nachfolgend Einblicke seines Unternehmens in den Markt und kommt zu dem Schluss, dass Headhunting nach Fachkräften in Europa bei weitem kein Selbstläufer ist.
Warum Headhunting in Osteuropa kein Selbstläufer ist
Osteuropa gewinnt wirtschaftlich an Bedeutung und Unternehmen verlagern Kapazitäten in Länder wie Polen, Rumänien oder der Ukraine. Laut einer KPMG-Umfrage mit dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft planen 42 Prozent der befragten Unternehmen zeitnah Investitionen in dieser Region. Neben geografischer Nähe, kurzen Lieferketten und niedrigeren Lohnkosten lockt laut Umfrage ein Talentpool ausgebildeter Fachkräfte.
„Deutsche Unternehmen finden in osteuropäischen Ländern, insbesondere in EU-Mitgliedsstaaten, einen guten Marktzugang“, weiß Roman Remel, Geschäftsführer Remel Executive Search. „Die Suche nach passenden Kandidaten, die den Aufbau vor Ort in die Hand nehmen, gestaltet sich jedoch teils wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Wer sie finden will, muss offen sein und die lokalen Arbeitsmärkte genau kennen.“
Investitionen in Osteuropa lohnen sich vor allem für Unternehmen aus den Bereichen Agrarindustrie, IT, Energieversorgung, verarbeitende Industrie und Maschinenbau. Wer sich für eine Niederlassung in der Ukraine entscheidet, profitiert mittelfristig von Wiederaufbauprojekten. Die Wirtschaft benötigt nach dem Krieg Fachkräfte in den Bereichen Baugewerbe, IT, Energie und Industrie. Polen punktet als größte Volkswirtschaft Osteuropas mit stabiler Infrastruktur. Rumänien bietet wachsende Investitionschancen und günstige Bedingungen für Produktionsverlagerungen.
Die Person der ersten Stunde als Erfolgsfaktor
Der Erfolg eines neuen Standorts hängt maßgeblich von der „Person der ersten Stunde“ ab. „Diese Schlüsselposition muss optimal besetzt sein, um eine reibungslose Expansion zu gewährleisten“, betont der Osteuropa-Experte Remel. Besonders gefragt sind nach seiner Erfahrung Experten für Standortentwicklung, Produktions- und Vertriebsleitung.
Die Arbeitsmärkte jedoch sind anspruchsvoll. Mittelständler, die sich bei Expansionserwägungen für Tschechien und Polen entscheiden, treffen auf die europaweit niedrigste Arbeitslosenquote. Hier zieht die heimische Wirtschaft ihre eigenen Fachkräfte ab. Ebenso wenig existiert in Rumänien, Polen und der Ukraine eine Masse an günstigen Fach- und Führungskräften, die auf Westeuropa wartet.
Wenn deutsche Unternehmen in osteuropäischen Ländern Fach- und Führungskräfte suchen, dann konkurrieren sie mit anderen Ländern. Rekrutieren etwa Maschinenbauer Geschäftsführer für einen neuen Standort in Polen, Tschechien oder der Ukraine, dann stehen sie primär mit lokalen Unternehmen im Wettbewerb, die diese Position auch besetzen wollen.
Im Bereich FMCG, also Konsumgüter, wettstreiten Arbeitgeber zusätzlich mit Marktbegleitern aus Skandinavien, Frankreich und den USA. Wie hoch der Konkurrenzdruck tatsächlich ist, analysiert das Executive Search-Team von Remel für jeden Auftrag. „Wir analysieren für jedes Unternehmen den Markt und nutzen unsere gewachsenen Netzwerke vor Ort sowie interne Datenbanken, um passende Kandidaten zu finden.“
Die Zeiten ändern sich
Viele deutsche KMU, die nach Osteuropa expandieren, gründen dort zunächst eigene Vertriebsgesellschaften. Gesucht werden Manager mit mindestens fünf bis acht Jahren internationaler Erfahrung, die mit westeuropäischen Business-Kulturen vertraut sind. Besonders gefragt ist die Generation Ende 30 bis Anfang 40, die oft im Ausland studiert hat und Internationalisierungsprozesse versteht. Die Generation 55+ bringt zwar Erfahrung mit, scheitert aber oft an fehlenden Fremdsprachenkenntnissen – insbesondere Englisch.
Stand: 08.12.2025
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Ein weiteres Problem stellen unrealistische Anforderungen dar. Unternehmer bestehen beispielsweise darauf, dass osteuropäische Führungskräfte Deutsch sprechen, obwohl dies im internationalen Geschäft selten notwendig ist. „Bei circa 20 Prozent der Anfragen zur Suche in Osteuropa sagen wir die Mandate ab oder nehmen diese gar nicht erst an“, berichtet Personalberater Remel. „Die Anforderungen der Unternehmen zur gesuchten Position sind hier einfach unrealistisch.“
Lohnniveau: Führungskräfte auf Augenhöhe mit Westeuropa
Roman Remel ist Gründer und Geschäftsführer von Remel Executive Search.
(Bild: Remel ES)
Während Löhne für Produktionsmitarbeitende in Rumänien rund 50 Prozent unter hiesigen Gehältern liegen, sieht es bei Führungskräften anders aus: Ihre Gehälter sind vergleichbar mit Westeuropa, manchmal liegen sie 10 Prozent darunter. Fachkräfte haben Zugang zum internationalen Markt und können sich ihren Arbeitgeber aussuchen. Bereits 2017 lag das CEO-Gehalt in Moskau über dem eines Geschäftsführers in Hamburg oder München. Besonders im produzierenden Mittelstand konkurrieren Unternehmen mit finanzkräftigen Konzernen um erfahrene Standortleiter.
Ein weiteres Beispiel: die IT-Branche. Vor zehn Jahren konnten deutsche Firmen noch günstige IT-Spezialisten aus Osteuropa anwerben – heute sind die Gehälter gleichgezogen und Remote-Arbeit hat den Standort irrelevant gemacht. „Wer im internationalen Wettbewerb um Fach- und Führungskräfte bestehen will, braucht Flexibilität“, resümiert Remel. „Märchenhafte Gehaltsvorstellungen und starre Strukturen sind oft Hindernisse, die Unternehmen selbst setzen.“ (sb)
* Roman Remel ist Gründer und Geschäftsführer von Remel Executive Search.